Fastenprojekt Vergebung 5. Fastensonntag

Konkrete Hilfestellungen

 

Lesen Sie hier die Gedanken des 5. Fastensonntags (6./7.4.) nach.

 

(die Beiträge zu allen Sonntagen sind auf der Seite der Pfarre Navis zu finden)

 

 

 

 

An den letzten Wochenenden haben wir uns in der Pfarre Navis in mehreren Schritten mit dem Thema Kränkungen und Vergebung befasst.

 

Zuerst haben wir uns klar gemacht, dass persönliche Verletzungen zu unserem Leben gehören und wir selber auch andere verletzen, im nächsten Schritt haben wir uns mit den Gefühlen, die Kränkungen auslösen, befasst und letzte Woche auch die Person(en), die uns kränkt(en), in den Blick genommen.

 

Wir haben jeweils schon angesprochen, welche Schritte wir setzen könnten, um Verletzungen zu überwinden. Wir sind also auf dem Weg der inneren Aussöhnung schon ein gutes Stück vorangegangen. Alles Wahrnehmen und Durcharbeiten führt aber nicht automatisch zum Vergeben, sondern es braucht dazu auch einen Entschluss und den festen Willen,  vergeben zu wollen.

 

Zunächst ist es wichtig zu akzeptieren, dass dieser Weg Zeit braucht, und wir Trauer, Scham oder Wut nicht von heute auf morgen los werden. Der Prozess der Verarbeitung kann sehr lange dauern und wird wahrscheinlich auch nicht in einer steilen Gerade nach oben führen, sondern in Wellen verlaufen - einmal gelingt es uns besser, dann gibt es wieder Rückschläge.

 

Vergebung kann man auch nicht anfordern oder verdienen - sie wird gewährt, geschenkt. Das Betrachten von Situationen, in denen wir selbst jemanden verletzt haben und uns dann vergeben worden ist, kann uns dabei helfen, dass wir uns in denjenigen einfühlen, der an uns schuldig geworden ist.

 

Wir haben im Folgenden ein paar konkrete HIlfestellungen für den weiteren Weg zusammen gefasst:

 

1) Ein zentraler Punkt im Vergebungsprozess ist, zu einer ausgewogenen Sicht vom anderen und von sich selbst zu kommen. Wer dem anderen Achtung entgegenbringt, ist davon überzeugt, dass dieser besser ist, als er sich in seinem Verhalten gezeigt hat. Das drückt sich auch darin aus, wie wir über den anderen sprechen: nicht herabwürdigend, sondern respektvoll.

 

2) Zum Vergeben kann auch helfen, symbolische Handlungen zu tun, wie zum Beispiel:

  • das  Verletzende niederzuschreiben und den Zettel zu verbrennen oder
  • dem, der mich gekränkt hat, einen (ehrlich gemeinten) Geburtstagsgruß  schicken
  • oder wenn es einen Verstorbenen betrifft, zum Grab gehen und eine Kerze anzünden

 

3) Geduld aufbringen: Wenn man sich vom Kopf her entschieden hat, vergeben zu wollen, kann es sein, dass die eigene Gefühlswelt das aber noch nicht zulässt -  die Gefühle (zB Wut oder Trauer) zu akzeptieren, sie aber nicht weiter zu verfolgen, kann helfen, dass sie langsam nachlassen. Wenn Jesus zu Petrus einmal gesagt hat, dass wir nicht sieben Mal, sondern siebenundsiebzig Mal vergeben sollen, kann uns das sagen, dass der Weg zur Vergebung aus vielen Etappen und vielen neuen Anläufen besteht.

 

4) Letztlich ist es auch wichtig, zu gegebener Zeit die Zügel aus der Hand zu geben und bereit zu sein, geschehen zu lassen und zu empfangen, also auf die Hilfe “von oben” zu vertrauen. Vergebung ist nicht etwas, das wir beherrschen, sondern etwas, um das wir ringen und bitten können. Das setzt das Vertrauen voraus, dass ich nicht alles in der Hand haben muss, sondern von der Hand eines anderen gehalten bin. Und diesen anderen, Gott, kann ich auch explizit um Hilfe bitten. Gott hört jedes Gebet und jede Bitte, aber kann nicht immer unsere Wünsche erfüllen, so wie wir sie meinen. Manchmal braucht es mehr Zeit als wir denken oder kommt anders als wir erwarten. Aber wir können darauf vertrauen, dass Gott es gut mit uns meint und uns gerne hilft.

 

Die über die vergangenen Wochenenden besprochenen Gedanken haben wir noch einmal zusammengefasst:

 

1. Die Gefühle, die eine Kränkung ausgelöst hat, wahrnehmen.

2. Die Gefühle (auch Wut oder Scham) als positiv annehmen und so verarbeiten, dass nicht andere verletzt werden.

3. Die Person, die gekränkt hat, in den Blick nehmen und versuchen, ihre positiven Seiten zu sehen bzw. was sie zu der Verletzung  veranlasst haben könnte.

4. Zeit und Geduld für einen längeren Prozess aufbringen und Rückschläge annehmen

5. Selbst erlebte Vergebung als befreiendes Gefühl kann mich stärken

6. Symbolische Handlungen als Hilfestellung wählen

7. Vertrauen auf die Hilfe “von oben”

 

Beim Versöhnungsgottesdienst am Montag in der Karwoche, am 15. April um 19.30 Uhr werden wir noch einmal eine zusammenfassenden Blick auf das Thema Vergebung werfen und die Brüche unseres Lebens ganz besonders in das Licht Gottes stellen.