Fastenprojekt Vergebung 4. Fastensonntag

Den anderen in neuem Licht sehen

 

Lesen Sie hier die Gedanken des 4. Fastensonntags (30./31.3.) nach.

 

 

 

 

Mittlerweile haben wir uns bereits an 2 Wochenenden mit möglichen Methoden zur Vergebung und Versöhnung auseinandergesetzt. Dabei haben wir uns an den Gedanken von Melanie Wolfers aus ihrem Buch “Die Kraft des Vergebens” orientiert. Als erstes haben wir das Nachtragen zum Thema gemacht. Eine wesentliche Erkenntnis dabei war, dass wenn wir jemanden etwas nachtragen, wir mehr darunter leiden, als jener, dem wir symbolisch gesehen, einen Stein nachtragen. Im zweiten Schritt haben wir erfahren, wie wichtig es ist, seinen Gefühlen, die beispielsweise Kränkungen auslösen können, positiv zu begegnen, sie zu verstehen und überlegt damit umzugehen. Heute möchten wir uns nicht nur unseren Gefühlen, sondern auch den Gefühlen und der Würde von Personen widmen, die uns gekränkt haben.


Um die Sicht auf die Person zu weiten, die uns verletzt hat, hilft uns folgender Gedanke: Wenn jeder von jedem alles wüsste, würde jeder jedem gerne verzeihen. In einer konkreten Verletzungssituation ist es demnach bedeutend, sich mit den Hintergründen und individuellen Lebenssituationen von demjenigen, der mich gekränkt hat, zu beschäftigen. Somit könnten also die Gründe für gewisse Taten ausfindig gemacht werden. Denn jeder schreibt im Leben seine eigene Geschichte und hat unterschiedliche Steine mitzutragen.


Ein weiterer wichtiger Schritt beim Vergeben ist es, sich die Beziehung zu der verletzenden Person genauer anzusehen und dabei positive Ereignisse hervorzuheben, um negative aus den Augen verlieren zu können. Grundsätzlich sollte man sich auch immer in Erinnerung rufen, dass jedes Verhalten unterschiedlich gedeutet werden kann. Oft fühlt man sich verletzt, obwohl der andere das gar nicht so gemeint hat. Es gibt immer einen Unterschied, zwischen dem was der andere getan hat und meiner Interpretation, was mir angetan wurde, dass ich es als verletzend empfunden habe. Anstatt negative Vorurteile gegenüber anderen zu haben ist es sinnvoller, nach entlastenden und entschuldigenden Erklärungen für das Verhalten des anderen zu suchen.


Um vergeben zu können ist es also wichtig, genau hinzusehen. Lesen Sie dazu eine Geschichte nach einer jüdischen Überlieferung unter dem Titel "Der andere als Mitmensch".

 

Die Geschichte sagt uns, dass trotz der individuellen Unterschiede es immer ein Wegweiser sein soll, alle Menschen als gleichwertig anzusehen und jedem die Würde zu schenken, die ein Mensch verdient hat.
Zusammenfassend braucht es beim Vergeben also immer die Bereitschaft, dass wir den anderen als Mitmenschen respektieren, dass wir uns in ihn hineindenken und versuchen, ihn zu verstehen.

 

Impulsfragen:

  • Was könnte die andere Person dazu bewogen haben, mich zu kränken?
  • In welcher konkreten Lebenssituation befindet sich die andere Person?
  • Hatte die andere Person die Absicht, mich zu kränken oder habe nur ich es so verstanden?
  • Was habe ich zur Situation beigetragen?
  • Wie könnte ich den anderen in einem besseren Licht sehen?

 

Nächste Woche werden wir uns mit konkreten Schritten zur Vergebung und Versöhnung auseinandersetzen.